Ein Tag in Russland - день в России

Ich erwache und schaue aus dem ebenerdigen Fenster - eine riesengroße struppige Katze glotzt von draußen rein. Offenbar eine Kreuzung zwischen europäischer Hauskiatze und Amurtiger.
Langsam registriere ich wo wir uns  befinden: mit abgelaufenen Visa, ohne Internet in einem Hostel, das als solches nicht ansatzweise erkennbar ist. Aber wir leben und nichts tut weh.
In einem Dorf, das früher Rossitten hieß und die erste Vogelbeobachtungsstation der Welt beherbergte. Und nun?
Es gab Frühstück. Tatjana unsere Wirtin hatte sich mächtig ins Zeug gelegt. Türkischen Kaffee mit viel Zucker, Haferflockenbrei, süßes Brot mit Salami....  Und langsam kamen die Lebensgeister wieder. Tatjana führte uns ihre Katzen vor und erzählte von Gott und der Welt. Leider verstanden wir nicht alles, oder besser nur den geringsten Teil.
Aber wir begriffen schnell, einen Tag müssen wir auf jeden Fall noch bleiben, denn
a) es regnete wie aus Eimern,
b) In keinem Hotel Russlands würde man uns mit abgelaufenem Visum ein Zimmer geben und
c) keine Bank wäre offen um wem auch immer 2.000 Rubel zu überweisen.

Ein Gefühl von Verbannung kam auf. Wie lange war Lenin verbannt? Aber nicht in Ostpreußen.

Vom Dorfplatz kamen die Klänge fröhlicher Misik, ein Mann feuerte ein für uns nicht sichtbares Publikum an und Jelena Petrowna Fischer sang im Original russische Volksweisen.

Und Lenin hatte Tatjana nicht. Sie verbreitete gute Laune - alles würde gut werden wir sollten spazieren gehen, wenn es zu regnen aufhören würde: Nach rechts die Vogelwarte, nach links ein Café am Meer, geradeaus ein Café am Haff und rückwärts ein Aussichtsturm von dem man alles sehen könnte... Und es hörte auf!

Bis auf das Café am Haff haben wir alles geschafft, Und noch dazu den tanzenden Wald.
ZoologischenStation Rossitten von Prof. Thielemann
Café am Meer mit Borschtsch und Soljanka
Aussichtspunkt war dann doch zu hoch, aber der Weg war schon ein Erlebnis.
Und der tanzende Wald war wirklich interessant. Licht-  und Schattenspiele und eigenartig gewachsene Bäume.

Abendessen und - trinken im Hotel Traktir - ohne Sterne -  dort wo man uns einen Tag vorher ausquartiert hatte. Wir waren nicht nachtragend, das Personal auch nicht und es wurde ein schöner Abend mit sibirischen Wodka - Lenin ließ grüßen - Borschtsch und Fisch. Aber irgendwie waren sie alle froh, als wir dann gingen.....

Was trotz Wodka blieb war die Frage, ob morgen alles  klappen würde. Die Dreitagefrist würde ablaufen, ganz entspannt war Loni nicht. Ich halbe sie damit getröstet, dass wir  sicher in Russland Asyl bekommen würden oder aber einen gewaltsamen Grenzdurchbruch organisieren könnten. Beides wollte sie nicht.
Insgesamt 20 km durch die Kurische Nehrung.







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