Über den Brenner - die Königsetappe
19.Juni 2025
Den halben Weg von Innsbruck zum Brenner hatten wir gestern absolviert. Die Dame an der Rezeption machte mir Mut. Diese Etappe wäre deutlich weniger anspruchsvoll als der Weg aus dem Inntal nach Patsch.
Trotzdem wollten wir die morgendliche Kühle nutzen und früh starten. Punkt 7:30 saßen wir am Frühstückstisch. Das war nicht schwer, weil wir 5 vor 6 mit Kanonenschüssen und um 6:00 mit einem gefühlt halbstündigen Glockengeläut geweckt wurden.Gemeinsam mit einigen Japanern und vielen Radlern. Weit überwiegend jung und dynamisch. Ich eher etwas besorgt ob der zu erklimmenden Höhenmeter.
Frühstück mit einem beeindruckenden Panorama in das Wipptal. Auf der Brennerautobahn war trotz der frühen Stunde schon Betrieb, wobei er nicht so heftig war, wie nach den Schilderungen über einstürzende Talbrücken zu erwarten war.
Punkt 08:45 waren wir startklar und es ging natürlich wieder aufwärts. Und es waren gefühlt schon 25 Grad.
Es war aber nicht so schlimm wie gedacht und wurde ein munteres Aufundab bei dem wir einen Teil der gewonnenen Höhenmeter wieder verloren.
In Matrei traf die Alte Römerstraße auf die Alte Brennerstraße und den Bahnhof der ÖBB. Die Versuchung eines Umstiegs war stark, aber wir waren stärker.
Heute war hier Feiertag. Viele Fronleichnamsprozessionen lähmten den Straßenverkehr zeitweise. Was von allen Verkehrsteilnehmer mit Fassung getragen wurde. Und wir Radler waren kaum tangiert.
Und so radelten wir neben der Bundesstraße bei moderatem Anstieg Richtung Steinach am Brenner. Hier gab es wieder einen Bahnhof. Und wieder die Diskussion Zug oder Fahrrad . Einigen konnten wir uns nicht. Und so trennten wir uns mit dem Versprechen uns in Italien wiederzusehen. Loni nahm die S - Bahn und bei mir gewann das Ego: ich fahre weiter. Zunächst ein ausgewiesene Abkürzung neben der Straße steil nach oben und dann ebenso steil nach unten. So steil, dass ich auf der Schotterpiste abwärts schieben musste. Zeitverlust sicher eine Stunde in sengender Hitze. Auf der Bundesstraße ging es dann besser. Der Verkehr war moderat.
Einen traf ich bei einer Rast im Schatten: Er kam aus Hamburg, war 06:30 in München gestartet und war um 14:00 da wo ich nach 25 km Bergauffahrt und Start um 08:45 auch war. Das war schon ein wenig deprimierend. Er stieg auf und radelte mit meinen guten Wünschen weiter.. Ich schob noch ein wenig, sieg dann auf und quälte mich weiter.
Das Tal wurde enger, Aurobahn und Eisenbahntrasse näherten sich der Bundesstraße. Ein deutliches Zeichen, dass der Gipfel nah ist. Und plötzlich war er da.
Er sah genau so aus, wie in den unzähligen Videos, die ich in Vorbereitung der Reise angesehen hatte. Zunächst nur Kommerz- Outletcity Pirna lässt grüßen
Dann die historische Grenzsäule, die König Emanuelle eingeweiht haben soll als nach dem 1. Weltkrieg feststand, dass Südtirol nicht bei Österreich bleibt, dem es seit langer Zeit zugehörig war, an Italien fällt. (Mein Hinterrad steht in Österreich mit dem Gepäck, alles andere in Italien.) Tatsächlich ist die Grenze zumindest für abgeärmelte Radler kein Problem. Keiner nahm Notiz! Und auch in der Vinothek 50 m weiter wird akzentfrei Deutsch gesprochen.
Es gibt nur keinen Cappucino, weil die Milch alle ist. Aber Loni war dort. Und es gab Pasta, Wein und Wasser!
Der Rest bis Sterzing ist schnell erzählt. 15 km abwärts aufs einem ehemaligen Bahndamm, dann kurz bergauf und schon ist man da. Das entschädigt für den Aufstieg.
Phantastische Ausblicke und Rudimente der Vergangenheit.
Über Gossensass gelangte wir schnell nach Sterzing. Eín klangvoller Name mit großer Vergangenheit als Fugger- und Bergbaustadt. Heute eher ein beschauliches Tourismuszentrum in bemneidenswerter Lage.
Das Hotel Mondschein allererste Sahne und das Essen im Städtchen nicht minder schlecht. Heute 54,32 km. Befinden ok! Morgen geht es nach Bozen!
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