Von Metz nach Perl - zurück nach Deutschland
08. Juni 2024, es sollte nach Perl gehen, ein Ort, von dem ich noch nie gehört hatte. Vorher gab es ein Frühstück auf der Terrasse. Unsere Tischnachbarn kamen aus Chemnitz, was am Dialekt unschwer zu erkennen waren. Sie betreiben ein Restaurant in Grüna und waren quasi auf Geschäftsbesuch bei ihrem Weinlieferanten in Perl.

Ganz zufällig kam dann noch ein Einhorn vorbei.
Dann fuhren wir los. Zunächst wurde natürlich der Dom besichtigt. Mit einer Höhe des Kirchenraums von mehr als 50 m gehört sie zu den größten Kirchen Europas.

Einfach beeindruckend.


Einfach beeindruckend.
Eine kleine Geschichte am Rande.Nachdem Metz nach 1871 deutsch geworden war, wurde der Dom umfassend saniert. Ein Brand hatte den Dachstuhl zerstört auch und sonst war einiges zu tun. Am neu errichteten Westportal wurde , dem Zeitgeist entsprechend ein Bildnis des deutschen Kaisers Wilhelm I eingearbeitet. Als Metz 1918 wieder fanzösisch wurde beließen es die Sieger bei der Skulptur und ergänzten sie pikanterweise um einen einen Hinweis auf die Vergänglichkeit der Macht. Dabei wäre es wohl geblieben. Aber als Metz 1940 erneut deutsch wurde befand der Führer, dass ein schnurrbärtiger deutscher Kaiser an einer Kirche nichts zu suchen hätte und ließ den Bart abmeißeln. Und so schaut nun noch immer ein deutscher Kaiser ohne Bart auf das französische Metz. Ironie der Geschichte.
Im Übrigen hat man offensichtlich mit den Deutschen gegenwärtig keine Probleme. Sie sprechen nicht französisch, man versteht sie sowie nicht, aber sie sind trotzdem da. Aber es gibt keine Befindlichkeiten.
Trotzdem mussten wir los. Die Route wechselte zwischen Kanal und Mosel, es ging zügig voran, Wetter und Wind passten, Das entscheidende Problem war, wir hatten am Start noch kein Quartier. Das sollte lösbar sein, war es aber nicht. Innerhalb der Fahrgemeinschaft gab es differenzierte Auffassungen, die von der - eigentlich inakzeptablen - Weiterfahrt per Zug, bis zu einem Stopp in Thionville und der Weiterreise mit einer Mamutetappe am nächsten Tag, reichten. Nach mehreren Telefonaten entschieden wir uns für die beiden letzten Einzelzimmer im Hotel Perler Hof in Perl, da Doppelzimmer weder in Perl noch im näheren Umfeld verfügbar waren.
Nach dem das geklärt war ging es zügig weiter über Thionville nach Schengen. Schengen ist natürlich ein Begriff. Das es aber ein Städtchen oder besser ein Dorf in Luxemburg ist, wusste ich erst seit der Vorbereitung auf unsere Reise. Nun also waren wir da. Das Museum war nicht zu übersehen, der Schriftzug Schengen is alive auch nicht.
Das Museum selbst allerdings war wegen eines Komplettumbaus bis Sommer 2025 geschlossen. Ein Zeichen für die EU? Immerhin konnte man das Schloss Schengen von außen betrachten. Alles in allem enttäuschend.
Dann ging es über die Brücke nach Perl. Das Hotel befand sich in der Bergstraße, das hätte uns zu denken geben sollen, hatte es aber nicht. Und so waren die letzten 1,5 km die anstrengendsten des Tages: steil bergauf. Für Loni kein Problem, ich habe zwischendurch ein Stück geschoben. Doch das Hotel entschädigte für die Strapazen mit sehr freundlicher Bedienung und einem romantischen Innenhof.
Und es gab noch interessante Gespräche mit anderen Gästen. Einer kam aus Luxemburg. Auf meine naive Frage, was das in Schengen für eine merkwürdige Sprache auf den Wegweisern sei, antwortete er Luxemburgisch. Meine Gegenfrage, wieviel Menschen seid ihr denn beantwortete er mit etwas mehr als 600.000. Ob sich das lohnen würde für nicht einmal 700.000 Menschen ein eigenen Sprache zu schaffen beantwortete er mit einem klaren Ja, selbstverständlich. Um dann zu ergänzen, dass die meisten Französisch sprechen.
Es gab auch eine Erkenntnis zu den Ursachen des Zimmermangels: Weinfest in Perl. Wir verzichteten aber und genossen den Abend im Hof.
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