Wer zur Quelle will, muss nach oben fahren…
Der 7. Tag
Die Pläne des Vorabends waren gereift. Auf kronose.eu fanden sich die Fahrpläne aller Radbuslinien quer durch das Riesengebirge. Für uns waren 3 dabei: Nach Spindlermühle und zur Elbequelle, nach Péč pod šnežku und auf die Schneekoppe und zum Schluß nach Pomezní boudy und mít den Rad nach Hirschberg Richtung Heimat. Das bedeutete aber auch 3 Tage volles Programm für Mensch und Material. Wenn man davon absieht, dass die Seilbahn zur Schneekoppe keine Räder mit nimmt.
Schwachpunkt der Planung war natürlich der Fahrplan. Alle Radbusse starteten 09:15 am Busbahnhof in Vrchlabi. Und einen zweiten gab es erst abends!
Also hieß es auch Sonntags beizeiten aufstehen, schnelles Frühstück und zum Busbahnhof. Wir waren natürlich zu zeitig, der Andrang war überschaubar. Der Radanhänger ist gefühlt so groß, das er das Equipement der Tour des France aufnehmen könnte. Brauchte er aber nicht, es waren nur 5 Radler neben einigen Wanderern, die sonntags früh in der Berge wollten. Aber immerhin konnten wir den Bus mit Karte bezahlen - 6 Euro für 2 Menschen mit Fahrrad!
Kurz nach 10:00 standen wir am Parkplatz Medvědín. Der Berg wird auf deutsch üblicherweise Schlüsselberg gennant. Bärenberg trifft es aber in der Übersetzung wesentlich besser. Und als solcher wird er auch vermarktet, was wir oben dann sahen. Der Lift sollte uns samt Rädern nach oben bringen. Ich hatte Loni einen komfortablen Kabinenlift versprochen mit traumhafter Aussicht. Was kam war ein Sessellift Baujahr 1975. Wie dort Räder transport werden sollten war unklar. Also lassen wir uns überraschen.
Punkt 10:30 ging es los. Wir bekamen zu zweit eine Viererbank zugewiesen, mussten die Räder zurücklassen und los ging’s. Aussicht in der Tat traumhaft, aber etwas kühl, windig und diesig. Dann standen wir oben ohne Rad. Fünf Sessel später kamen die Räder, sie hingen einfach so dran und der Operator nahm sie bei laufenden Betrieb ab und drückte sie dem nächststehenden in die Arme. Wir hatten wir sie wieder!
Nun war noch der Weg zu finden. Lt. Plan 7,4 km bis zur Quelle, davon 1 km Fußmarsch. Da der Radweg einiges an Auf- und Abfahrten bot entscheiden wir uns zunächst für den vermeintlich ebenen Wanderweg. Lt. Karte ein Kilometer und Radfahren verboten. Also geschoben, Fahren ging tatsächlich nicht und eben war es gleich gar nicht. Aber eine schöne Wanderung. Und wenn man sich aufs Rad stützen kann braucht man keinen Stock und das Rad wirkt durchaus cooler als ein Rollator.
Den Rest des Wegs dann auf dem Radweg. Es ging zu fahren, bedurfte aber einiger Pausen bis wir an der vrchbatowa bouda (Goldhöhe) auf 1.411 m ankamen.
Von der Anstrengung her hätten wir am Ziel sein müssen, aber bis zur labska bouda waren es weitere 3,2 km. Loni hatte sich um den Weg gekümmert während ich um Luft rang. Leider war es wieder der Fußweg, was wir erst nach ca. 500 Metern merkten. Also zurück und den Radweg gewählt. Nun ging es recht zügig und nach ca 15 Minuten war wir an der labska bouda auf 1.340 m.
Die Baude ist zweifelsfrei kein Highlight moderner Architektur und über ihre Einordnung in den Nationalpark wird wohl heftig gestritten. Aber wir wollten nicht übernachten sondern nur eine heiße Suppe und etwas trinken. Konnten wir auch für 400 Kronen einschließlich Trinkgeld. Es schmeckte und alle waren freundlich. Allerdings galt auch hier, nur Bares ist Wahres - no creditcards.
So gestärkt ging es zum Ziel der Reise, dem Ursprung der Elbe. Eine einzigartige Landschaft und ein durchaus passabler Wanderweg durch die Elbwiesen machten den Weg zum Erlebnis.
Wir waren am Ziel unserer Reise!
Der Rückweg sollte, von einem kurzen Anstieg bis zur Goldhöhe abgesehen, nur rollend bis Vrchlabi möglich sein. Aber wie so oft lagen Theorie und Praxis nicht sehr eng beieinander.
Die ersten Kilometer rollte es tatsächlich, es wurde kalt und ungemütlich, streckenweise gab es auch etwas Nieselregen. Aber irgendwo hatten wir dann einen Abzweig verpasst. Es rollte noch immer, aber es kamen Dörfer, die nach Plan nicht kommen durften, da wir ja in Benecko Boris, den Mann von Lonis Kollegin Vladimara besuchen wollten. Wir stoppten unsere rasante Abfahrt und Loni rief Boris an.
„Kein Problem, Loni im nächsten Dorf links, dann sind es nur 500 m! Ich freue mich!“ Was er nicht erwähnte, war die Tatsache, dass er von 500 Höhenmetern sprach. Was wir auch erst spät merkten. Irgendwann kamen wir schiebend und trotz der Kälte schwitzend bei ihm an. Am tiefsten Punkt seines Grundstück, das Haus noch immer gefühlt 50 Höhenmeter weiter oben. Die Frage nach dem weiteren Weg beantwortete er lächelnd: durch das Tal 25 km, aber Autobahn, über den Berg 7 km aber steil. Entsetzen machte sich breit. Wir hatten neben den Höhenmetern schon ca. 10.000 Schritte hinter uns.
Aber Boris hatte einen Idee. Sein Auto stand ja dort wo unsere Räder standen und so fuhr er uns einzeln samt Rad auf die Höhe. Nicht wie sonst, Frauen und Kinder zuerst sondern zu erst war ich dran. Loni sollte auf Alfred aufpassen.Von da an ging es tatsächlich nur abwärts bis zum Hotel. Ankunft 18:15. Rast an der Bar. Hier trinkt man BE(cherovka)TON(ic). Danke Boris, du bist ein Lebensretter!
Am Abend wurden dann die Pläne überarbeitet: keine Schneekoppe morgen, einfach nur ausschlafen und Ruhe. Und am Dienstag nach Hirschberg.




















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