Der 3. Tag - elbaufwärts nach Poděbrady - Podiebrad
Der Tag beginnt wolkenverhangen, zumindest schein keine Sonne ins Zimmer. Und dann beginnt es tatsächlich zu regnen. Und wie. Die Landwirte mag es erfreuen, die Radler weniger. Ein Blick in die böhmische Wetter - App verheißt jedoch nur einen kurzen Schauer, der um 08:00 Uhr vorüber sein soll.
Also ganz normal vorbereiten. In der Hoffnung, etwas später starten zu können. Doch die App hatte Recht. Bereits 07:30 wurde deutlich, dass uns ein sonniger Tag bevor steht.
Frühstück war ok, und um 09:00 ging es los. Der Radweg war leicht zu finden, immer bergab und ein paar Meter durch denStadtpark und dann kam sogleich die Elbe. Nun war es die echte Elbe, ohne Moldau drin. Sah auf den ersten Blick aus wie eine breite Wesenitz. Aber nach der nächsten Staustufe wurde es wieder. Wobei, wie ein Strom sah sie noch immer nicht aus, eher wie ein lang gestreckter See. Aber schön ist sie schon
In Brandys erwarteten uns ein Schloß und ein nicht mehr betriebenes Wasserkraftwerk. Historisch bedeutsam das Treffen von 1813: Zar Alexander I, Kaiser Franz I und König Friedrich Wilhelm III berieten über das gemeinsame Vorgehen gegen Napoleon.
Weniger schöne war die Beschaffenheit des Radwegs. Es fing so gut an und endete auf einem Treidlerweg oder einer Panzerstraße. Je nach dem was man mehr schätzt. Es war furchtbar. Der ohnehin schon stark in Mitleidenschaft gezogene Allerwerteste (oder besser beide) wurden arg strapaziert. Wie auch unsere fahrbaren Untersätze. Stets lebte man in der Angst, dass das Hinterrad oder die Gepäckträger den Geist aufgeben. Gaben sie aber nicht.
Die Bilder sehen im Vergleich zu unsern Qualen noch harmlos aus!
Irgendwann gaben wir auf und wechselten auf die Alternativroute fernab der Elbe. War nicht so wahnsinnig schick, aber deutlich besser zu fahren. In Lysa nad Labem (die Elbe war mindesten 2,5 km Luftlinie entfernt - auf deutsch Lissa an der Elbe) - gelogen wurde also schon immer und von allen - versuchten wir eine späte kleine Mahlzeit zu erhaschen. Das geöffnet Restaurant versprach auch ein Mindestmaß an Verpflegung und so nahmen wir auf der einladenden Terrasse Platz. Allein, wir wurden ignoriert. Kein Mensch, keine Frau kein Mann interessierte sich für zwei verschwitze, erkennbar bedürftige Radler. Nun könnte man sensibel sein und weinen. Oder den tollen Max rauskehren und sagen, eh was ist los hier, braucht ihr unser Geld nicht?
Wir taten keins von beiden, sondern packten unser Ränzlein, tranken einen Schluck lauwarmen Wassers aus den Trinkflaschen und radelten weiter nach Nymburk (Nimburg).
Auf den ersten Blick keine wirklich schöne Stadt - großer Marktplatz, mit einer Reihen von Gebäuden die architektonisch nicht ansatzweise in die Blütezeit der Stadt passten, sondern eher die postkommunistische Architektur verrieten.
Immerhin gab es einen Chinesen am Merkt der uns nicht ignorierte sondern bediente. Und letztlich verzichtete die Chefin ganz freundlich auf das Trinkgeld, da sie nicht wusste, wie man es über das. Kartenterminal abrechnet. Und Kronen haben wir natürlich nicht.
Die letzten Kilometer bis Poděbrady waren ein Klacks. Beidseitiger Radweg Leider konnten wir nur einen benutzen. Und der war in bester Qualität.
Dann ein Markplatz, der seines Gleichen sucht. Und das Beste: er war um 16:30 so voller Menschen, das man nur neidisch nach Pirna blicken kann. Das schaffen wir nicht ansatzweise.
Überhaupt scheinen die Tschechen den weltlichen Vergnügungen deutlich mehr zugetan als wir. Und zwar als Familie! Das fiel schon unterwegs auf: Papa und Mama mit Inlinern, den Kinderwagen schiebend und zwischendrin ein oder zwei Kinder auf Kinderfahrrädern- natürlich alle behelmt.
Und dann trifft man sie in der Minirestaurace an der Labe bei Limonade und Bier. Oder auf dem Marktplatz von Podieprad.
Wir genossen den Blick über den Markt, betrachteten das Denkmal des Georg von Podiebrad, der der Stadt um 1450 das Stadtrecht verliehen hatte. Die Inschrift des Standbilds lautet aber auf Jiří, da er ein böhmischer Adliger war.
Am Schloß vorbei in die unterwegs georderte Pension „Na Hrazi“. Hundert Punkte für die Pension und die Gastwirtschaft gleich nebenan. Der Wunsch, die Stadt noch einmal zu beschauen verschwand nach dem ersten Bier bzw. Wein.
Eine Vorstadtkneipe hat immer etwas , eine tschechische erst recht. Ransetzen bist normal und sofort kommt man ins Gespräch. Unsere Tischgenossen sprachen Tschechisch, Deutsch und Englisch. Wir Deutsch, Tschechisch, Englisch und Französisch. Französisch brauchten wir nicht und es wurde ein geselliger Abend. Ständig wechselnde Gäste, die meisten per Rad, Männer wie Frauen und alle gut gelaunt. Es geht auch so.
73,65 Km waren heute auf der Uhr, aber nur 2.948 Kcal. Warum so wenig? Die Frage blieb unbeantwortet. Auch kleine Strecken fordern ihren Tribut. Die Augen fallen zu. Morgen geht es nach Pardubice…..
n.












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