Ein Tag voller Kultur - eine Reise zu Gerhart Hauptmann nach Agnetendorf ( Jagniatkow)

 Der 10. Tag

Ein Blick aus dem Kammerfenster deutet auf einen beginnenden schönen Tag. Der Blick reichte doch tatsächlich bis zur Schneekoppe.

Der Plan war eigentlich nur das viel gelobte Hirschberger Tal zu durchradeln. Die Vorstellung ging von einer brettflachen Ebene am Fuß des Riesengebirges aus, das sollte kein Problem sein. Von Schloß zu Schloß radeln,  hier einen Wein, dort ein Häppchen. Die Chance, all die abgeradelten Pfunde wieder zurückzuholen.

Vor dem Frühstück noch ein kleiner Rundgang durch unser Palast. Von den Gästezimmern abgesehen war durch aus eine gewisse Großzügigkeit zu spüren.





Das Frühstück war sensationell, einfach herrschaftlich. In einem gefühlt 150 qm großen Saal speisten vielleicht 4 Familien.  Es fehlte an nichts,  Außer vielleicht an der Gemütlichkeit. Aber daran sieht man , dass es die vornehmen Leute auch nicht immer einfach haben.

Wir hatten es einfach und starteten gegen 10.00 in die Altstadt von Hirschberg auf polnisch Jelenia Gora und zum Bahnhof um die Rückreise klar zu machen. Die 6,2 km bis zum Bahnhof waren unproblematisch. Nach 30 Minuten waren wir da.  Der Bahnhof erfüllt sicher seinen Zweck, aber er hatte sicher auch schon wesentlich bessere Zeiten gesehen.

Tickets gibt es am Schalter. Um allen Eventualitäten aus dem Weg zugehen, erst mal angestellt. Die Schlange war nicht groß, aber es ging auch sehr zögerlich voran,  Dann wurde auch noch ein Schalter, offensichtlich wegen mentaler Erschöpfung der Angestellten geschlossen. Kann ja passieren, aber nun ging es noch langsamer voran. Wir beschlossen auf den einzig vorhandenen Automaten auszuweichen. Coole Idee, der Automat sprach auch deutsch, aber das war es dann auch. Er kannte nicht einmal den bereits ausgewählten Zug, geschweige denn eine Fahrradkarte.

Es blieb das liebe Büro: „wollt ihr, dass ich wiederkomme? Wenn ja, könnten Sie mal die Tickets buchen?“

Der Wille war da, aber internationale Fahrradtickets gibt es nun mal nicht online. Das Problem wurde auf Abend vertagt

Hirschberg ist eine durchaus interessante  Stadt, allerdings reichte die Zeit nicht ansatzweise, um die sehenswerten Dinge auch zu  sehen. Neben vielen sehr schönen Ansichten gab es auch  Ecken, in denen seit dem Kriegsende nicht viel passiert ist. Schade!   





Lonis Wunsch war Agnetendorf. (Jagniatkow) Uber 40 Jahre ein bevorzugter Wohn- und Aufenthaltsort von Gerhart Hauptmann. Gelegen natürlich im Hirschberger Tal. Also irgendwo, wo es flach ist und die Berge noch nicht begonnen haben.

Gerhart Hauptmann liebte bekanntlich seine schlesische Heimat im allgemeinen und das Riesengebirge im besonderen. Das hatten wir unterschätzt. Nachdem wir von Hirschberg aus zunächst gefühlt ewig auf dichtbefahrenen  Straßen unterwegs waren begann einen kleinere Straße die leicht aufwärts führte. Irgendwann wurde es etwas steiler und ohne ein absehbares Ende quälten wir uns im Tal aufwärts. Aber irgendwann ist jeder Berg zu Ende. Gestartet bei etwa 200 Höhenmetern kamen wir am Ende bei ca. 600 Höhenmetern an. So war der Plan nicht gewesen. Das Museum entschädigte auf jeden Fall für die Mühen. Nachdem Hauptmann 1946 in seinem Haus gestorben war, wurde er mit wesentlichen Teilen des Inventars in einem Sonderzug nach Hiddensee überführt. Das Haus ging wie alles hier an Polen und wurde später als Kinderferienlager genutzt. Nach der Wende verständigten sich die Regierungschefs Polens und Deutschlands es als Gerhart Hauptmann Museum einzurichten.




Das fast original wieder eingerichtet Arbeitszimmer zeigte mir allerdings auch eindeutig, dass es für große Gedanken einer gewissen räumlichen Größe bedarf. In kleinen Arbeitszimmern entstehen keine Nobelpreisträger. Vielleicht baue ich zu Hause doch noch einmal um. 😩




Vielleicht ist aber auch etwas Kunst im Garten förderlich!


Logischerweise gestaltete sich der Rückweg zunächst sehr einfach 10 km ohne treten abwärts. Dann rechts abgebogen nach Staniszow und die eigentlich im Tal nicht existierenden Berge waren wieder da und es ging erneut fast 100 Meter in die Höhe ehe wir mit Blick auf die Schneekoppe zu unserem wohlverdienten Abendmahl kamen

Am Ende des Tages standen 42,5 km auf der Uhr - nicht schlecht für einen Tag, an dem es eigentlich nur etwas durchs Tal gehen sollte.

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