Rechts fließt die Elbe, links fließt die Moldau, Melnik liegt am Zusammenfluss….

 Der zweite Tag

Wer zeitig zu Bett geht kann früh starten. Na ganz so früh nicht, es ist ja Urlaub. Aber wenigstens etwas früh.

Der Frühstücksraum im Apollon erinnerte wegen seiner Größe an die Kommandokapsel eines Aplolloraumschiff. Nicht wegen der Namensgleichheit sondern wegen der Größe.Natürlich war das Frühstück wesentlich umfangreicher und ließ keine Wünsche offen.

Um 09:00 Uhr dann scharfer Start. Der Plan war heute Melnik. 50 km sollten problemlos zu schaffen sein. Der Wetterbericht verhieß bestes Radlerwetter: Sonne und Wolken und nur mäßige Hitze. Ein kurzer Abstecher zum Kloster, das aber leider noch geschlossen war und ein Blick von außen auf Leitmeritz und schon ging es los.


Zunächst ging es rechtselbisch weiter. Eine weitere Staustufe wurde passiert und die Elbe nahm danach erneut den Charakter eines Sees an: Schilf und Wasserrosen säumten das Ufer, schicke Datschen und Einfamilienhäuser wechselten sich ab und zeigten, dass die Vorstellungen vom schönen  Wohnen diesseits und jenseits der Grenze recht ähnlich sind.



Aber auch sonst gab es einiges zu sehen. Eine neue Starkstromleitung entstand kurz vor Roudnice nad Labem (Raudnitz an der Elbe)  und machte deutlich, dass nicht alle Jobs homeofficefähig sind.


Roudnice tauchte am Horizont auf und war bald erreicht. Unmittelbar nach der Elbbrücke fanden wir uns auf einem riesigen Markt wieder. Angesichts des nahen Tagesziels verzichteten wir auf eine Einkehr - obwohl es sich angeboten hätte - und genossen den Blick von einer schattigen Parkbank. Eine Kirche mit Weinberg hatte ich noch nicht gesehen.



Dann ging es linkselbisch weiter Richtung Melnik. Das sollten noch 30 km sein, und die waren es auch. Aber ohne größere Schwierigkeiten erreichten wir die frühere Königsstadt deren Namen auf Deutsch und Tschechisch weitestgehend  gleich ist. Mělník und Melnik. Nur der aufmerksame Gast hört den Unterschied. Bekanntlich liegt Mělník auf einem Berg, aber das hatten wir nicht mehr so auf dem Schirm. Die Erkenntnis kam nach der Brücke als der Weg scharf rechts abbog und stetig nach oben führte. Ein kleiner Vorgeschmack auf das Riesengebirge. Punkt 13:00 waren wir in der Stadt, es gab Wein und Bier und natürlich Wasser!



Und dann der Blick auf den Zusammenfluss von Moldau und Elbe. Auf Bildern schon oft gesehen aber nun in life. Beeindruckend. Dann fiel der  Blick auf das dort aufgestellte bronzene Relief der Mündung und Enttäuschung kam auf. 



Mündete doch dort nicht die Moldau in die Elbe sondern ein bedeutungsloser Schiffahrtskanal floß in die Elbe. Die eigentliche Mündung der Moldau in die Elbe liegt einige hundert Meter stromauf und war unter dem Grün der Vegetation kaum zu sehen.  Und überdies ist die Moldau um ein vielfaches wasserreicher und größer als die Elbe, so dass sich zu Recht die Frage aller Tschechen stellt: warum muss die tschechische Moldau, der Nationalstrom von Bedřich Smetana so sang- und klanglos in der Elbe verschwinden? Und darum heißt die Einmündung der Moldau auf Tschechisch auch nicht Mündung - potok - sondern  Zusammenfluss - soutok! Ein feiner Unterschied. Offenbar ein nationales Drama. 

Aber wenn es anders wäre lägen Pirna, Dresden und sogar Hamburg an der Moldau. Und das wäre schon ungewöhnlich.

Zur Übernachtung hatten wir dass Olympionik gebucht. Hinter der Stadt gelegen und unserem sportlichen Engagement angemessen.



Zu einer Stadtbesichtigung kam es nicht mehr. Auch Olympioniken brauchen mal Ruhe. Der Abend klang nach 54 km auf der olympischen Terrasse aus.










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