Eine Nacht im Pfarrhaus
Noch immer der 5. Tag
Wir waren froh, einen Gastgeber gefunden zu haben und nicht noch kilometerweit radeln zu müssen. Alles andere war Nebensache, denn ein Zelt für alle Fälle hatten wir nicht dabei.
Optisch hatte die Pension im Buchungsportal keinen schlechten Eindruck gemacht, der Preis war unschlagbar, der Zusatz Gemeinschaftsdusche und WC entsprach zwar nicht meinen Vorstellungen von einem Rustikalurlaub, aber einmal würde es schon gehen. Vielleicht wären wir ja die einzigen Gäste, und da wäre eine Gemeinschaftsdusche ertragbar.
Waren wir aber nicht. Gefühlt war es ein Flüchtlingsheim für ukrainische Familien. Was nicht schlimm ist, aber den Traum eines singulären Duscherlebnisses nach einem Tag auf dem Rad schnell zerplatzen ließ.
Das Pfarrhaus hatte etwas schloßähnliches. Nur Gewölbe, die einzelnen Kammern waren mit Riegeln zu verschließen. Wenn man drin war, konnte man eine Packtasche vor die Tür stellen, damit sie nicht von selbst aufging, wollte man fort, schloß man die Kammer von außen einfach mit einen Vorhängeschloß ab. Die Fenster waren vergittert, es konnte also nichts passieren.
Beim Duschen bekam man dann sofort eine erste Vorstellung wie es ist, wenn unser Minister Harbeck seinen Vorstellungen vom kurzen Warmduschen optimiert: es muss nicht zuwinkend warm sein, es geht auch kurz und kalt! Warmes Wasser - Fehlanzeige. Wenn das der Trend wird, möchte ich kein Radfahrer mehr sein.
Aber wenn man Nächstenliebe erfährt kann man nicht wählerisch sein.
Abendessen gab es im Dorfgasthof „Zu den 2 Fichten“ und hier bleiben keine Wünsche offen.Die halb volle Weinflasche durften wir mit ins Pfarrhaus nehmen, sie half beim Einschlafen. So bekam der Spruch über der Tür seinen Sinn.
Nach ca.2 Stunden war die Nacht zunächst vorbei. Im Hausflur telefonierte ein Mitbewohner mit seiner Heimat stundenlang in einer uns unverständlichen Sprache per Skype. Eine Etage über uns weinten kleine Kinder. Was sicher nicht unüblich ist, aber nervt.
Und etwas Mondlicht schien durch die vergitterten Fenster, Viertelstündlich läutete die Glocke der nahen Kirche. Alles machte einen etwas gespenstischen Eindruck.
Irgendwann kam kam der Schlaf und als wir erwachten schien die Sonne durch die Gitter. Frühstück gab es nicht, Flüchtlinge sind Selbstversorger.
Aber etwas Wurst war vom Vortag noch da, und ich hatte vorsorglich ein Hörnchen aus den 2 Fichten mitgenommen. Wasser gab es aus der Trinkflasche. Und so hatten wir die Chance eine Frühstücks im Pfarrgarten in einer wirklich traumhaften Umgebung. Und für das Pony gab es ausreichend saftiges Gras. Weniger ist manchmal mehr,
Und so konnten wir schon kurz vor 09:00 starten!












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