Die Enkel sind zu Besuch oder Geschichte zum Anfassen

Die Enkelkinder Emily und Emil waren zum Wochenendbesuch. Dieses Mal sollte er mal etwas anders gestaltet werden. Nicht nur Chips und Handy auf dem Sofa oder Schleichpferde auf dem Fußboden. Wir fahren mit den Fahrrädern ins Böhmische , in die „Goldene Linde“ nach Tetschen.

„Ist das weit? Geht es bergauf?“ Diese entscheidenden Vorfragen konnten jeweils mit nein beantwortet werden. „Wir nehmen den Radbus und dann geht es nur noch bergab!

So blieb als entscheidende Hürde das zeitige Aufstehen um den 9:00 Radbus zu erreichen. Und das gelang relativ problemlos.


 

Bereits 10:15 Uhr hatten wir Schneeberg erreicht und schon rollten wir Richtung Tetschen.

In der „Goldenen Linde“ - „Zlata Lipa“ waren wir die ersten Gäste - Zeit für einen kurzen  geschichtlichen Abriss.


Die große Linde im Garten des Hotels hatte einst, genauer gesagt 1888, Franz - Josef I. gepflanzt als er Kaiser von Österreich, König von Ungarn und von Böhmen war. „ Er hat alles zusammen gemacht?“ „Ja, Personal war schon damals knapp!“

„Darf ich die Linde mal anfassen?“ „Na, sicher“ „Warum hat er die Linde gepflanzt?“ „Das war früher so, dass bedeutende Persönlichkeiten, Bäume pflanzten. Er hat sicher viele Linden, vielleicht auch einige Eichen gepflanzt.“


Dann der Bogen in die Gegenwart.“ Ich habe auch schon mal eine Linde gepflanzt.“ „Du, Opa? Wieso?“ „ Weil der Oberbürgermeister keine Zeit hatte, habe ich ihn vertreten.“ „Und wo steht die Linde?“  „In Pirna an der Elbe.“ „Dann bist du so etwas wie ein Kaiser?“ „Nicht ganz, aber so ähnlich!“


In der Speisekarte war dann noch die berührende Geschichte von der tragisch  zu Tode gekommenen Gräfin von Thun zu lesen, die ich den Enkeln vortrug.


Anstelle der hier 1844 errichteten Gaststätte „Goldene Linde“ befand sich früher das Jagdschloss  des Grafen Johann Joseph Maximilian von Thun. Im Jahre 1733 als der Graf Thun auf dem Schloss die Freizeit mit seiner Gattin verbracht haben, kam es zu einer tragischen Begebenheit. Die Gattin des Grafen, die Fürstin Maria Christina, hat sich beim Fall aus dem Bett versehentlich mit einer herumliegenden Jagdflinte in den Kopf geschossen, die schon für die nächste Jagd vorbereitet war. In der Chronik ist zu lesen, dass der Graf das Jagdschloss wegen dieser Begebenheit dem Erdboden gleichmachen ließ. Im Jahre 1735 baute er ein neues Schloss an der Grenze zum nahen Sachsen und nannte es zum Andenken an seine verstorbene Frau  Christianaburg (heute Christianenburg, tschechisch Kristin Hrádek). 


Im Jahre 1844 ließ ein Tetschener Gastwirt  eine  Gaststätte namens „Goldene Linde" auf dem Platz des ehemaligen Jagdschlosses bauen. In der Gaststätte hat sich im Jahre 1888 der Kaiser Franz Joseph I. bei seiner Reise von Wien nach Dresden aufgehalten. Er hat hier zu Mittag gegessen und an einer Jagd teilgenommen. Danach hat er  dann die Linde gepflanzt, die bis heute an seinen Besuch erinnert.


Die Chronik erwähnt noch eine besondere Erscheinung: Immer am Jahrestag, des tragischen Tods von  Maria Christina, erscheint während der Nacht ein durchsichtiges Wesen, das den Keller durchstreift. Die Einheimischen glauben, es geht der Geist der tragisch verstorbenen Fürstin um.


Wir haben den Geist jedenfalls nicht gesehen. Das Essen war fantastisch, die Kinder waren mehr als zufrieden und bei bestem Radlwetter rollten wir nach Bad Schandau. Den Rest erledigte die Bahn. Am Ende standen 40 km auf der Uhr. Die Kinder waren zu Recht stolz. Ein toller Sonntag, der sicherlich lange im Gedächtnis bleiben wird.

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